Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans in der Ernährung und beeinflusst das Fettgewebe und den Lipid-Stoffwechsel. Eine gute Versorgung mit Vitamin E kann zur Prävention des Metabolischen Syndroms beitragen, wie eine neue Studie zeigt.
Vitamin E ist reichlich in Nüssen und Samen, z. B. in Weizenkeimen, Leinsamen, Sonnenblumenkernen, Haselnüssen und Mandeln sowie in daraus gewonnenen Ölen und Streichfetten enthalten. Vitamin E kommt auch in grünem Blattgemüse, Kichererbsen, Süßkartoffeln und Paprika reichlich vor. Alpha-Tocopherol ist die aktivste Vitamin-E-Form, da es am bekanntesten und besten untersucht ist, wird es oft als Synonym für Vitamin E benutzt. Doch zu Vitamin E gehört eine Gruppe von acht ähnlichen Verbindungen, je vier Tocopherole und Tocotrienole (jeweils α-, β-, γ-, δ-Form). Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die verschiedenen Vitamin-E-Formen die Zellmembranen vor oxidativen Schäden schützen, zur Hemmung von Entzündungen beitragen, die zu Atherosklerose und nichtalkoholischer Fettleber führen, und entzündliche Biomarker bei Insulinresistenz verringern können. Vitamin E spielt auch eine komplexe Rolle im Fettgewebe und beeinflusst dessen metabolische und strukturelle Eigenschaften.
Es gibt Hinweise, dass Vitamin E die Funktion des Fettgewebes modulieren kann, indem es den oxidativen Stress, Entzündungen und Fibrose (Gewebsveränderungen) reduziert und so die Stoffwechsel-Profile im Zusammenhang mit Adipositas (BMI ab 30) verbessert.
Zirkulierende Vitamin-E-Spiegel, besonders von α- und γ-Tocopherol, stehen in Zusammenhang mit dem viszeralen und subkutanen Fettgewebe sowie mit der höheren Wahrscheinlichkeit, ein Metabolisches Syndrom zu entwickeln. Die Fettsäuren im Plasma dienen als Biomarker für die kurzfristige Aufnahme von Fett mit der Nahrung und reagieren schnell auf Veränderungen der Nahrung. Eine fettreiche Ernährung beeinflusst die Lipide, indem sie die Konzentrationen von Gesamt-, LDL-Cholesterin und Triglyzeriden verändert und das gesamte Lipid-Profil im Blutkreislauf modifiziert. Die derzeitigen Erkenntnisse reichen jedoch nicht aus, um eine definitive Beziehung zwischen dem zirkulierenden Vitamin-E-Spiegel, Körperfett-Gehalt und Einfluss auf die metabolische Gesundheit herzustellen. Eine Gruppe von polnischen Forschern führte dazu eine Studie durch, um den Vitamin-E-Status bei Erwachsenen mit normalem und übermäßigen Körperfett zu vergleichen. Sie untersuchten, ob niedrigere Konzentrationen der wichtigsten Vitamin-E-Formen (α-, γ-Tocopherole und -Tocotrienole) mit einer schlechteren metabolischen Gesundheit verbunden sind.
An der Studie waren 127 Personen (61 % Frauen, Durchschnittsalter 49 Jahre) beteiligt. Sie wurden, abhängig vom normalen (47 %) oder übermäßigen (53 %) Körperfett, in zwei Gruppen eingeteilt. Bei allen Teilnehmern wurden die Konzentrationen von α- und γ-Tocopherolen und -Tocotrienolen bestimmt. Weiter wurden das Lipid-Profil, die Konzentration der Fettsäuren (im Plasma), CRP (C-reaktives Protein) als Marker für Entzündungen und die metabolische Gesundheit ermittelt. Rund die Hälfte der Teilnehmer (47-50 %) hatte ausreichende Werte von Vitamin E, wobei α- und γ-Tocopherole und -Tocotrienole am häufigsten waren. Nur 12 % der Teilnehmer mit normalem Körperfett und dagegen 30 % derjenigen mit übermäßigem Körperfett wiesen einen niedrigen α-Tocopherol-Status (Plasma) auf.
Bei den Teilnehmern mit überschüssigem Körperfett wurden im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen auch signifikant niedrigere Werte aller Vitamin-E-Formen beobachtet. Höhere Konzentrationen von α-Tocopherol waren mit einem geringeren Körperfett und höheren Werten der zirkulierenden Lipide wie HDL und LDL verbunden. Ebenso waren erhöhte Konzentrationen der Vitamin-E-Formen mit einem geringeren Gehalt an Fettgewebe verbunden, was zu geringeren Entzündungen und einem verbesserten Stoffwechsel beitragen kann. Bei einem niedrigen Vitamin-E-Spiegel zeigte sich ein höherer Gehalt an Körperfett und niedrigere Werte im Gesamt-Cholesterin und dessen Fraktionen. Die Ergebnisse bestätigten, dass Gesamt-Cholesterin, HDL und LDL die wichtigsten Prädiktoren für die Vitamin-E-Konzentration waren, wobei das HDL bei allen Vitamin-E-Formen eine zentrale Rolle spielte. Die Höhe der zirkulierenden Vitamin-E-Formen korrelierte auch mit der Konzentration von CRP.
Die Ergebnisse zeigten, dass Entzündungen mit übermäßigem Körperfett in Verbindung stehen und bestätigten die potenziell entzündungshemmende Rolle von Vitamin E. Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-E-Konzentrationen wiesen ansonsten auch höhere Werte der anthropometrischen Indizes auf, wie Körpergewicht, Taillenumfang, BMI, Taille-Hüft-Quotient und Taille-zu-Größe-Verhältnis.
Es zeigten sich zwar keine allgemeinen Unterschiede in den Konzentrationen der Vitamin-E-Formen zwischen Männern und Frauen, jedoch einige geschlechtsspezifische Muster. Frauen mit überschüssigem Körperfett wiesen im Vergleich zu denen mit normalem Körperfett signifikant niedrigere Konzentrationen an allen vier getesteten Vitamin-E-Formen auf. Dagegen wurden bei Männern signifikante Unterschiede nur bei α-Tocopherol und -Tocotrienol festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass das Körperfett den Vitamin-E-Stoffwechsel bei Männern und Frauen verschieden beeinflusst, möglicherweise durch Unterschiede in der Fettverteilung und den Stoffwechselwegen. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Vitamin-E-Stoffwechsel werden durch Hormone beeinflusst, besonders durch Östrogen und Testosteron, die die Fettverteilung und den Fettstoffwechsel regulieren.
Angepasste Dosierungen, die auf individuellen Fettverteilungs-Mustern und Hormon-Profilen basieren, könnten möglicherweise die Ergebnisse von Ernährungs-Interventionen verbessern. Angesichts der engen Beziehung zwischen einem gestörten Fettstoffwechsel (Dyslipidämie), Fettleibigkeit und dem oxidativen Stress werden Ergänzungen mit Vitamin E besonders für Personen mit erhöhtem LDL-Cholesterin und Fettleibigkeit empfohlen. Studien deuten darauf hin, dass Vitamin E die Oxidation von LDL-Partikeln hemmt, was ein entscheidender Faktor für das Fortschreiten von Atherosklerose ist. Die Rolle von Vitamin E bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten, besonders bei einem gestörten Stoffwechsel, bestätigt das Potenzial von Vitamin E als ergänzende therapeutische Maßnahme.
Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse zeigen, dass der Vitamin-E-Status von Erwachsenen mit überschüssigem Körperfett unzureichend sein kann und mit einer schlechteren Gesundheit des Stoffwechsels verbunden ist. Wichtige Faktoren für einen niedrigeren Vitamin-E-Status waren ein höherer Körperfett-Anteil sowie ein geringeres Gesamt-Cholesterin, einschließlich seiner Fraktionen, wobei die stärkste Korrelation für HDL gefunden wurde. Da das Risiko für Stoffwechselkrankheiten mit dem Alter und Adipositas zunimmt, wäre ein guter Ernährungs-Status von Vitamin E für die Gesundheit vorteilhaft.
Quelle:
Kacper Szewczyk et al., Nutritional Status of Vitamin E and Its Association with Metabolic Health in Adults. In: Nutrients, online 22.01.2025, doi: 10.3390/nu17030408.