Vitamin D ist für das Muskel-Skelett-System sehr wichtig, es spielt auch bei der Arthrose eine wichtige Rolle, wie eine neue Studie zeigt. Ergänzungen mit Vitamin D könnten möglicherweise dazu beitragen, den Zustand bei Arthrose zu verbessern.
Die Arthrose ist eine chronische, degenerative Erkrankung der Gelenke, die vor allem durch langjährige Überbelastung entsteht. In Deutschland sind rund 5 Millionen Menschen davon betroffen. Charakteristisch sind Veränderungen in der Struktur von Knochen und Knorpel, die sich bis zur Gelenkdeformation entwickeln können. Typische Symptome sind Schwellungen, Schmerzen und eine verringerte Muskelkraft, am häufigsten entsteht die Arthrose in den Knie- und Hüftgelenken. Die Entstehung der Krankheit wird von vielen Faktoren beeinflusst, zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören ein höheres Alter, starkes Übergewicht, übermäßige Gelenkbelastung, Traumata, Verletzungen in der Nähe des Gelenks und berufliche Belastungen. Es gibt Hinweise darauf, dass ein angemessener Vitamin-D-Spiegel für verschiedene körperliche Funktionen wie die Gesundheit des Bewegungsapparats und den Knorpel- und Knochenstoffwechsel vorteilhaft ist.
Ein Vitamin-D-Mangel wurde mit verminderten Vitamin-D-Rezeptoren in der Skelett-Muskulatur in Verbindung gebracht, was besonders bei älteren Menschen zur Abnahme der Muskelmasse und verstärkten Schmerzen führt. Der genaue Mechanismus für den Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Auftreten und Fortschreiten von Arthrose ist bisher jedoch nicht vollständig geklärt. Beobachtet wurde z. B., dass bei Patienten mit Kniearthrose und Vitamin-D-Mangel erhöhte Werte von Entzündungs-Markern, wie Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor-α (TNF-α), auftraten. Eine Gruppe amerikanischer Forscher prüfte daher bei Arthrose-Patienten den Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel, dem Krankheitsgrad und dem Funktionsstatus. Sie untersuchten auch, ob die beiden Entzündungs-Biomarker als Vermittler der schädlichen Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels bei Knie- und Hüftarthrose eine Rolle spielen könnten.
Einbezogen in die Studie waren ältere Erwachsene (≥60 Jahre) aus einer Altersstudie, dazu gehörten 105 Arthrose-Patienten (röntgenologisch bestätigt) und 152 gesunde Kontrollpersonen. Die Funktionseinschränkungen der Arthrose-Patienten wurden mit einer Befragung (WOMAC-Index) ermittelt und bewertet. In Blutproben wurde bei allen Teilnehmern der Vitamin-D-Spiegel (25(OH)-D) und die Werte der Entzündungs-Marker TNF-α und IL-6 bestimmt. Bei Patienten mit unzureichenden Vitamin-D-Werten oder einem -Mangel war die Arthrose stärker ausgeprägt und korrelierte mit den Einschränkungen der Gelenkfunktionen im WOMAC-Index. Bei ihnen fanden sich höhere Schmerz- und schlechtere Gesamtwerte.
Schmerzen sind das Hauptsymptom, das bei der Arthrose zur Einschränkung der Funktionen beiträgt. Doch in früheren Studien, die den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegeln und Schmerzen untersuchten, zeigten sich dazu einige widersprüchliche Ergebnisse. Bei männlichen Patienten mit Knie-Arthrose wird ein verminderter Vitamin-D-Spiegel mit geringeren Schmerzen in Verbindung gebracht, was auf einen möglichen geschlechtsspezifischen Therapieansatz hinweist, der in künftigen Studien untersucht werden könnte. Bei den Patienten mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln wurden außerdem signifikant höhere Werte der Entzündungs-Marker TNF-α und IL-6 gemessen.
In früheren Untersuchungen wurde gezeigt, dass Vitamin D eine Rolle bei der Modulation verschiedener Zelltypen, einschließlich der Knochen- und Knorpelzellen (Osteoblasten, Osteoklasten, Chondrozyten), spielt. Eine plausible Erklärung ist, dass Vitamin D die Bildung entzündlicher Zytokine verringert, die mit der Arthrose und einem schwereren Verlauf in Verbindung gebracht werden. Die Zytokine TNF-α und IL-6 könnten wichtige Mediatoren sein, die den Vitamin-D-Mangel mit dem Schweregrad der Arthrose bei älteren Erwachsenen verbinden. Erhöhte Serumspiegel von TNF-α und IL-6 wurden im Vergleich bei den gesunden Kontrollpersonen nicht beobachtet. Da diese Zytokine möglicherweise zur Schädigung der Gelenke und zu Schmerzen beitragen, könnten sie zu potenziellen Zielen bei der Therapie der Arthrose werden. Dazu sind jedoch weitere Studien erforderlich, um diese Annahmen zu bestätigen.
Die Forscher ziehen das Fazit: Ein verminderter Vitamin-D-Spiegel ist bei der Arthrose mit schwereren Fällen von Hüft- und Kniearthrose, stärkeren Schmerzen, größeren Einschränkungen in den Funktionen und erhöhten Serumspiegeln der Entzündungs-Marker TNF-α und IL-6 verbunden. Künftig sind weitere Forschungen erforderlich, um die Mechanismen zu klären, durch die Vitamin D die Arthrose beeinflussen kann. Dabei sollte auch der potenzielle Nutzen von Vitamin-D-Ergänzungen zur Linderung der Arthrose und ihres Fortschreitens bewertet werden.
Quelle:
Cláudia Nascimento Montemor et al., Impact of Reduced Vitamin D Levels on Pain, Function, and Severity in Knee or Hip Osteoarthritis. In: Nutrients, online 26.01.2025, doi: 10.3390/nu17030447.